Eine Reise ins Land der Extreme

Ein Reisebericht von Frau Frank und Frau Wall

Es schüttet und das schon den ganzen Morgen, so dass wir erst Sorge haben, gar nicht mehr ins Dorf fahren zu können. Bei starkem Regen über die ungepflasterte, rote Straße zu fahren, verlängert die Fahrtzeit enorm oder macht sie sogar unmöglich. Was für uns eher lästig ist, ist für die Menschen im Dorf Bugesera/Ruanda ein großer Segen. Obwohl wir uns in der kleinen Regenzeit befinden (die große ist im Frühling), hat es hier schon seit Wochen nicht geregnet … und die Menschen haben nichts gegessen.

Endlich sind wir da. Nach den kleinen Lehmhütten mit winzigen, verriegelten Fenstern sieht dieses große Gebäude aus Stein, mit hohen grünen Fenstern auf beiden Seiten - das einzige Gebäude, das bald über Strom verfügen wird – fast unwirklich aus. Ein Traum mitten im Nichts. Hier sollen ab nächsten Februar 9 Klassen unterrichtet werden. Die ersten Kinder kommen schon angelaufen. Sie sind neugierig, wollen wissen, wer die Weißen sind und was sie mitgebracht haben. Das sind die Kinder, für die das Schulgebäude gebaut wurde, da ihre Eltern niemals in der Lage wären weder die Verpflegung noch das Schulmaterial, geschweige denn das Schulgeld für sie zu bezahlen.

Ich muss daran denken, wie vor einigen Jahren Jean und Christine Hajabakiga, unsere ruandischen Gastgeber, mit Kristina Frank hier waren, als hier erst einige Steine aufeinander geschichtet waren, und von ihrer großen Vision sprachen. Mit viel Gottvertrauen gingen die Drei die Sache an. Es blieb nicht bei den Dreien. Mit ihrer Leidenschaft konnte Kristina viele Lehrer, Schüler, Eltern und andere Glaubensgeschwister begeistern und so durften wir alle einen Beitrag zu dem Werk Gottes leisten und diesen Bau mitfinanzieren.

Obwohl es immer noch regnet, kommen immer mehr Kinder dazu. Am Ende sind ca. 450 Kinder in der Kirche, die sich auf dem gleichen Gelände befindet, versammelt. „Wenn der Weg bei Regen nicht so mühselig wäre, wären es 1000 Kinder. Sie laufen Stunden lang, wenn sie wissen, dass jemand kommt“, erzählt uns Christine. Wir singen, spielen, tanzen mit den Kindern, veranstalten einen kleinen Kindergottesdienst. Ihre Kleidung besteht aus Fetzen, nicht wenige haben Hauterkrankungen. Aber sie lachen und freuen sich über die Aufmerksamkeit, die man ihnen schenkt. Am Ende verteilen wir Gebäck. So wie sie uns das Essen aus den Händen reißen und verschlingen, wird deutlich, dass die Kinder mehr als hungrig waren.

Während der Rückfahrt ist es ruhig, Nadin und ich müssen das Erlebte verdauen. Ich lese mir Jesaja 58, 6-10 durch, denn das sind die Leitverse, die Kristina zu ihrem Dienst motiviert haben.

Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!  Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich. Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag.

Uns ist klar geworden, wie viel mehr diese Kinder brauchen als Essen und Schulbildung. Sie müssen spüren, dass sie geliebt und gewertschätzt werden. Das ist etwas, das hier leider weitestgehend nicht passiert. Und natürlich müssen sie erfahren, wie sehr Gott sie liebt.

Ruanda ist ein Land der Extreme. Wir sahen atemberaubende Natur und eine hochmoderne Großstadt mit Luxusgeschäften sowie bitterste Armut in materieller und geistlicher Hinsicht. Es war eine besondere Reise, die uns besser verstehen ließ, wie wichtig es ist, als ganze Schule das Projekt zu unterstützen. Wir können Gott preisen für das großartige Werk, das er dort bereits gewirkt hat, und mutig den Staffelstab weitertragen, den uns Kristina Frank übergeben hat.

Anna Wall und Nadin Frank

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