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Pilgern im Harz

 

Diesen Sommer durfte ich zusammen mit 14 Klassenkameraden, Frau Just und Herrn Harder eine ganz besondere Reise erleben, von der ich behaupten kann, dass wir alle von ihr verändert zurückgekommen ist. Wir sind gepilgert, und zwar volle drei Tage durch den Harz.  

Am Mittwoch, den 08. Juli ging es los: 

Wir treffen uns alle, statt wie gewohnt zum Unterricht in der Schule, auf dem Bahnsteig des Detmolder Bahnhofs. Dort stehen wir, wenige mit kleinen, einige mit riesigen Wanderrucksäcken und warten auf den Zug, der uns ein Stückchen näher ins Harzgebirge bringen soll. Aufgeregt tauschen wir uns aus, wer wie viel wovon eingepackt hat, ob es reichen würde und ob der Rucksack bei dem einen oder anderen vielleicht doch ein klitzekleines bisschen zu schwer geraten ist.  

Dann geht es los: „Ich finde es mutig, dass ihr euch auf diese Reise eingelassen habt, ohne zu wissen, was auf euch zukommt.“ Herr Harder hat Recht behalten; im Rückblick ist uns allen klar, dass wir uns die Pilgerfahrt anders vorgestellt haben. 

Auf dem Weg ins Harzgebirge spielen wir ein Spiel: Bei jedem Umstieg wechseln wir die Gesprächsrunde, sodass wir uns alle untereinander in einem lockeren Rahmen kennenlernen konnten.  

Die Zeit vergeht wie im Flug und wir kommen an, in Goslar. Die Vorfreude steigt und ich merke, dass mein Mund ganz trocken geworden ist, weil ich vor Freude nicht mehr aufhören kann zu lächeln. 

Wir gehen in einen Klostergarten, wo unsere Pilgerwanderung beginnt. Dort beantworten wir, jeder für sich, die Frage: Wer bin ich?  

Es ist sehr angenehm, dass jeder die Aufgaben, die wir im Laufe der Wanderung bekommen, ernst nimmt und gleichzeitig eine fröhliche Stimmung in der Gruppe herrscht.  

Weil es inzwischen Nachmittag geworden ist, kümmern wir uns um das Essen. Zum Frühstück und Mittagessen gibt es Brot und Baguette mit verschiedenen Dips sowie Obst und Gemüse. Die Käseliebhaber unter uns dürfen verschiedenste Käsesorten verköstigen und für Kaffee ist auch gesorgt. 

Wir essen jedoch nicht ungemütlich vor dem Supermarkt, sondern gehen ein Stück, bis wir von Feldern und Wiesen und Wäldern umgeben sind, wo wir auf einer alten, verwitterten Mauer das Mittagessen anrichten. Es gibt sehr viel Auswahl und regen Austausch. Es ist auch interessant, einfach einmal zuzuhören, womit sich meine Klassenkameraden gedanklich beschäftigen, während sie ein paar Weintrauben naschen.  

Auf der Pilgerwanderung beschäftigen wir uns ausgiebig mit Fragen, die uns in unserer Charakterentwicklung voranbringen und unsere Beziehung zu Jesus stärken. Wir lernen verschiedene Arten, uns mit den Fragen auseinanderzusetzen und unser Gesprächsverhalten zu beobachten: 

Nach dem Mittagessen beginnen wir in ausgelosten Paaren für eine Weile zuzuhören, ohne zu sprechen, und uns später wieder für eine Stunde umgekehrt mit neuem Partner mitzuteilen. Dabei sind die Gesprächsthemen freigestellt. Wir dürfen nach der vergangenen Stunde als Zuhörer das Gesagte unseres Gegenübers wiedergeben und reflektieren, um das aufmerksame Zuhören zu üben. 

Nach dieser Übung stellen wir fest, dass einigen aus unserer Gruppe das ununterbrochene Schweigen und anderen das Reden schwergefallen ist. Durch die Gespräche vergehen die 14 km rasch und wir kommen an. Das Kloster, in dem wir übernachten, ist sehr alt und riecht gemütlich. 

Dort nehmen wir ein warmes Abendessen ein. Wir alle sitzen an einem Tisch und lachen viel miteinander. Danach ist uns freigestellt, ob wir im Stillen den Tag reflektieren oder uns einem Gespräch in einer nächtlichen Runde anschließen wollen. Meine Freundin und ich gehen raus: es ist etwas kühl, aber angenehm kühl. Wir reden mit unseren Pilgergesellen über tiefe Glaubensfragen und sind so sehr in das Gespräch vertieft, dass wir gar nicht merken, dass der Stundenzeiger sich immer weiter Richtung Mitternacht bewegt. Bald legen wir uns schlafen, denn uns steht ein nächster Pilgertag bevor. 

Um neun Uhr treffen wir uns wieder und laufen im leichten Nieselregen zum nächsten Supermarkt, um unser Frühstück einzukaufen.  

Mit dem neuen Tag kommen neue Fragen dazu, über die wir bewusst gemeinsam schweigend nachdenken. Beim Schweigen bemerke ich nach einer kurzen Weile, dass sich unsere Schritte angeglichen haben. Obwohl jeder für sich geschwiegen hat, nimmt ein Mädchen aus unserer Gruppe wahr, dass es sich so angefühlt hat, als ob wir alle miteinander geredet hätten. Wir fühlen uns verbunden, weil wir am selben Ort, zur selben Zeit alle mit unseren Rucksäcken miteinander wandern und über die Frage nachdenken, was uns wertvoll ist. 

Es ist erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man mit lieben Menschen spricht, mit ihnen schweigt und bei einer kleinen Pause die Füße in den kalten Bach hält. Müde und zufrieden kommen wir in der Unterkunft an. Zum Abschluss des Tages essen wir in einer Pizzeria und spazieren durch die kleine Altstadt, wo wir unerwartet hinter einer Mauer einer verschmusten Katze begegnen. 

Wie am Abend zuvor nutzen wir auch die letzten Minuten des Tages, um Gemeinschaft miteinander zu haben, bevor wir müde in unsere Betten fallen.  

Der letzte Tag bricht an und wir pilgern einen kleinen Pfad an einem Bächlein entlang. Die Stadt liegt bereits weit hinter uns, sodass wir neben dem fröhlichen Gezwitscher der Vögel angenehme Waldgerüche aufsaugen. Obwohl wir uns bereits schon den dritten Tag mit der Gruppe von Ort zu Ort bewegen, gehen uns die Gesprächsthemen nicht aus. Frau Just stellt überrascht fest, dass wir am letzten Tag die Strecke so schnell bewältigt haben, dass jeder von uns in Wernigerode, unserem Ziel, ein großes Eis essen darf. Dort bleiben wir eine Weile, Wernigerode ist eine wunderschöne Stadt, bevor wir nach über 40 km zu Fuß in ein schnelleres Fortbewegungsmittel steigen und Richtung Heimat fahren.  

In Detmold angekommen verabschieden wir uns voneinander, in freudiger Erwartung, unseren Familien von der eindrucksvollen Zeit zu erzählen. Es war sehr interessant, sich so langsam fortzubewegen, das Handy beiseitezulegen und den ganzen Tag nur einer Beschäftigung nachzugehen, dem Pilgern - Sprechen, Denken und Hören. 

Wir sind der Schulleitung für die Genehmigung des Abenteuers und besonders Frau Just und Herrn Harder für die Organisation und Betreuung dankbar. 

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