Das 3. Gebot vs. die digitale Welt

Das dritte Gebot lautet: "Denke an den Sabbattag und halte ihn heilig" (Exodus 20,8). Martin Luther übersetzt plakativ - "Du sollst den Feiertag heiligen" - und stellt fest, dass äußerlich gesehen der Sabbat (bedeutet eigentlich 'feiern') nicht für Christen gilt, aber als Prinzip ist er auch für Christen relevant, dass sie zusammen kommen, "Gottes Wort hören und sich damit beschäftigen, um dann auch Gott zu loben, zu singen und zu beten." Für die Christen sei dies der Sonntag.1

Die Trennung vom Alltag, das innere Zurücktreten von den Erfahrungen der letzten Woche, das Loslassen von Niederlagen und Enttäuschungen und das Feiern all des Guten - dazu dient der wöchentliche "Feiertag". Das gelingt dann, wenn auch ein innerer Abstand zu den Verpflichtungen des Alltag eingenommen wird.

Während sich jedoch die Bürotür schließen lässt, der sich über das Wochenende abmühende 3D-Drucker nicht die Anwesenheit des Mitarbeiters einfordert und der Edeka-Markt sonntags einfach frei macht, laufen Posts auf Instagram pausenlos weiter und die Push-Nachrichten bei TEAMS oder WhatsApp kennen offensichtlich nicht dieses dritte Gebot des Herrn. Wie lässt sich dieses Prinzip in einer digitalen Welt ohne Zeitzonen trotzdem leben?

Stell dir vor, eine Lehrkraft wird sich der Bedeutung von Ruhe und innerem Abstand zum Alltag bewusst. Sie beobachtet bei ihren Schülern, dass sie pausenlos diesem digitalen Trubel ausgesetzt sind. Und sie möchte nun die Bedeutung des Sabbats für das christliche Leben hervorheben. Was könnte sie tun?

Nun, sie könnte einen Plan von Andachten über den Sabbat erarbeiten, sie könnte bei den Schülern eine Medienkritik anstoßen, sie könnte Plakate über wichtige Bibelverse gestalten und im Klassenraum aufhängen lassen usw. Und die Schüler würden ihr zuhören, wenn sie dazu appelliert, mehr Achtsamkeit und Ruhe in den eigenen Alltag einzubauen.

Die Lehrkraft könnte aber auch einen anderen Zugang wählen.

Wie könnte das dritte Gebot für Schüler und ihr Lernen gestaltet werden?

Statt sich dem dritten Gebot auf der kognitiven und sprachlichen Ebene zu nähern, würde unsere Lehrkraft anders vorgehen: Sie würde ihren Kurs und die Aufgaben neu strukturieren, so dass die Schüler nicht am Wochenende zu arbeiten brauchen. Sie würde die Rückgabe der Aufgaben stets auf einen Freitag oder bei digitalen Aufträgen auf den Samstag Abend terminieren. Sie würde dafür sorgen, dass keine Aufgabe den Schülern vor Montag Morgen bekannt wird. Sie würde auf das Einhalten der Abgabetermine bis Samstag Abend rigoros achten. Im Verlauf des Kurses würden die Schüler feststellen, dass es in diesem Kurs keine Möglichkeit gibt, an einem Sonntag dafür zu arbeiten.

Statt den Schülern die Bedeutung des Sabbats durch Worte zu vermitteln, entwickelte die Lehrkraft eine pädagogische Praxis, die dem Prinzip des Gebots entspricht.2

Wie könnte das dritte Gebot für die Lehrkraft lebbar gemacht werden?

Die Lehrkraft hat schon längst bemerkt, dass ihr Beruf keine natürliche Trennung zwischen Arbeit und Leben mit sich bringt. Zudem erfährt sie immer wieder, dass eine digitale Erreichbarkeit und Kommunikation mit Schülern enorm wichtig ist. Und sie erlebt es, dass auch im Kollegium alle TEAMS nutzen und die Bits und Bytes nur so hin und her schwirren. Was könnte die Lehrkraft tun, um das dritte Gebot zu halten und trotzdem eine kommunikative Lehrkraft zu bleiben.

Die Lehrkraft könnte folgendes tun:

  • Sie könnte den Schülern - auch wegen der Transparenz - mitteilen, dass sie zu bestimmten Zeiten und am Sonntag nicht erreichbar ist.
  • Sie könnte für sich feste Arbeits- und Ruhezeiten definieren und penibel darauf achten, dass diese möglichst nicht durch Dritte torpediert werden.
  • Sie könnte in der TEAMS App (IOS) im Einstellungsbereich auf "Benachrichtigungen" gehen und "Ruhige Stunden" einrichten. Das hätte zur Folge, dass sie in dieser Zeit keine Benachrichtigungen durch die App erhält.
  • Und sie würde für sich über die Metapher einer Pilgerreise meditieren. Das Leben ist wie eine Pilgerreise. Das Reisen braucht Zeiten der Aktivität, aber auch Zeiten der Ruhe, der Regeneration und der Muße. Die Leben als Reise zu sehen, kann uns dazu führen, den Gott des Lebens zu feiern, der sie zu dieser Pilgerreise (auch in der digitalen Welt) berufen hat.3

 

1 Luther, Der große Katechismus, das 3. Gebot.

2 Smith, David I.; Felch, Susan M. (2016): Teaching and Christian imagination. Grand Rapids, Michigan: William B. Eerdmans Publishing Company. S. 84-85.

3 Smith & Felch 2016, S. 85-86.

Bildnachweis: Photo by Angelina Kichukova on Unsplash

 

 

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